Zur Uneinigkeit bei Racial Profiling

Ein Veranstaltungsbericht zu „Schon wieder Ich? – Racial Profiling in der deutschen Polizei“ am 22. März 2018

In Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus fanden in Berlin gleich drei offizielle Veranstaltungen zum Thema Racial Profiling statt. Die aktuelle Berliner Kampagne „Ban! Racial Profiling – Gefährliche Orte abschaffen!“ der KOP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt) möchte über diese Praxis aufklären. Die Berichterstattung in der Presse nimmt zu.

Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V. wollte mit seinem Diskussionsabend am 22. März 2018 im Lernort 7xjung einen eigenen Akzent zu diesem umstrittenen Thema setzen. Für den Veranstaltungsabend im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus trafen dafür sehr unterschiedliche Perspektiven zum Thema aufeinander:

Im ersten Teil informierte das Podium – bestehend aus Céline Barry (Antidiskriminierungsnetzwerk des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg), Tim Wihl (Lehrstuhl Öffentliches Recht an der Humboldt Universität zu Berlin) und Günther Klages (Polizei Niedersachsen) – über ihre Auffassung vom und ihren Bezug zum Thema. Während Céline Barry die Zuhörer*innen für die Diskriminierungserfahrungen der Betroffenen sensibilisierte, beleuchtete Tim Wihl die Unvereinbarkeit rassistischer Polizeikontrollen mit der Verfassung. Bereichernd war auch Günther Klages Perspektive, die Einblicke in die polizeiliche Ausbildung und Praxis gab.

Nach diesen Inputs und einer kurzen Pause wurde der Bühnenrahmen der Veranstaltung, also unten Publikum und oben Podium – aufgelöst. Publikum und Referent*innen bildeten jetzt zusammen einen Kreis, der Raum für gemeinsame Gedanken, individuelle Fragen und andere Beiträge bot. Das Resultat dieser neuen Zusammensetzung war eine konstruktive Debatte über Racial Profiling, die Ausbildungsinhalte für Polizist*innen, juristische Schritte bei Fehlverhalten, Kriminalität in verschiedenen soziologischen Gruppen, die Befugnisse der Staatsgewalt und ganz praktische Schritte, um Betroffenen zu helfen.

Die Referent*innen untereinander und das Publikum waren sich dabei alles andere als einig und es kam zu einem regen Austausch der heterogenen Meinungen. Doch gerade dieser Dissens belebte die Diskussion und sorgte dafür, dass auch nachdem der offizielle Teil vorbei war, bei einem Glas Wein weiter diverse Positionen ausgetauscht wurden. Und auch wenn alle Teilnehmenden so unterschiedliche Dinge aus dem Abend mitgenommen haben, so doch wenigstens die gemeinsame Frage, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen und was jede*r Einzelne für sie tun kann.